Geschichte des Weser-Radwegs: Vom ersten Abschnitt im Kreis Höxter 1987 bis zur 4-Sterne-Qualitätsradroute: die Geschichte eines der beliebtesten Radfernwege Deutschlands.
Der Weser-Radweg gehört heute zu den beliebtesten Radfernwegen Deutschlands. Angefangen hat alles mit einem Abschnitt von gut 40 Kilometern im Kreis Höxter. Hier erfährst du, wie aus diesem Stück ein durchgehender Radweg von Hann. Münden bis an die Nordsee wurde, und warum der Weg an der Weser eigentlich viel älter ist als jeder Radweg.
Falls dich schon jetzt die Reiselust packt: In der Entfernungstabelle findest du alle Etappen und Kilometer für deine eigene Planung.
Geschichte des Weser-Radwegs auf einen Blick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1978–1987 | Bau des ersten Abschnitts im Kreis Höxter |
| 1982 | Der Weserbund berichtet über den Radwegbau im Überschwemmungsgebiet |
| 14.10.1987 | Freigabe der über 40 km langen Strecke im Kreis Höxter |
| ab Ende der 1980er | Gesamtkonzept des Weserbunds für einen Radweg bis Bremerhaven |
| 2001 | InfoZentrale Weser-Radweg in Bremerhaven übernimmt Information und Beratung |
| 2017 | ADFC-Qualitätsradroute mit vier Sternen, verliehen auf der ITB |
| 2019 und 2023 | Platz 1 der ADFC-Radreiseanalyse |
| Februar 2026 | Vier Sterne erneut bestätigt |
Bevor es Radwege gab: die Weser als Verkehrsweg
Lange bevor jemand an Radtourismus dachte, war die Weser eine Lebensader. Auf dem Fluss wurden Holz, Getreide, Steine und Waren transportiert. Flussaufwärts zogen Menschen und später Pferde die Kähne an langen Leinen. Die Pfade am Ufer, auf denen sie gingen, nannte man Leinpfade oder Treidelpfade. Mancher Uferweg, auf dem du heute radelst, folgt ungefähr dieser alten Spur.
Die Städte am Fluss lebten vom Handel. Hann. Münden besaß über Jahrhunderte das Stapelrecht: Kaufleute, die auf Werra, Fulda oder Weser vorbeikamen, mussten ihre Waren hier für einige Tage anbieten. In Hameln, Minden, Nienburg und Verden entstanden Brücken, Mühlen und Häfen. Bremen wurde als Hansestadt zum großen Umschlagplatz an der Unterweser.
Mit dem Reichtum kam die Baukunst. Zwischen etwa 1520 und 1620 entstanden entlang des Flusses die Schlösser, Rathäuser und Bürgerhäuser der Weserrenaissance. Hämelschenburg, Bevern, das Hochzeitshaus in Hameln und die Schlösser in Rinteln und Bückeburg erzählen davon. Wer heute den Radweg fährt, radelt also durch eine Landschaft, die vom Fluss und seinem Handel geprägt wurde.
Der Fluss verändert sich
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Weser stark umgebaut. An der Unterweser wurde der Fluss ab den 1880er-Jahren begradigt und vertieft, damit Seeschiffe wieder bis Bremen fahren konnten. An der Mittelweser entstanden Staustufen und Schleusen, die den Wasserstand für die Binnenschifffahrt regeln. Bei Minden kreuzt der Mittellandkanal seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Weser auf einer Brücke, die Schachtschleuse von 1914 verbindet Kanal und Fluss.
Die Deiche, die heute als Radwege dienen, schützen das flache Land vor Hochwasser und Sturmfluten. Gerade an der Unterweser und zwischen Bremerhaven und Cuxhaven fährst du kilometerlang auf oder an diesen Bauwerken.
Die Anfänge des Radwegs im Kreis Höxter
Der erste Abschnitt des eigentlichen Weser-Radwegs entstand zwischen 1978 und 1987 im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Nach fast acht Jahren Planung und Bau wurde am 14. Oktober 1987 die über 40 Kilometer lange Strecke von der hessischen bis zur niedersächsischen Landesgrenze freigegeben.
Das war Pionierarbeit. Ein Radweg im Überschwemmungsgebiet der Weser musste Hochwasser aushalten und durfte den Abfluss nicht behindern. Schon 1982 berichtete der Weserbund in seiner Zeitschrift „Die Weser“ über die Erfahrungen mit diesem Bau.
Vom Teilstück zur durchgehenden Route
Ab Ende der 1980er-Jahre entwickelte der Weserbund ein Gesamtkonzept für einen durchgehenden Radweg von Hann. Münden bis Bremerhaven. Landkreise, Städte und Gemeinden entlang der Weser setzten es Abschnitt für Abschnitt um. Das war keine Kleinigkeit, denn der Fluss verbindet vier Bundesländer: Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.
Heute ist der Weser-Radweg rund 520 Kilometer lang und reicht bis zur Kugelbake in Cuxhaven. Auf vielen Abschnitten ist er auf beiden Ufern ausgeschildert, verbunden durch Brücken und Fähren. Außerdem ist er Teil der D-Route 9 „Weser – Romantische Straße“ des deutschen Radnetzes.
Mit dem Radweg wuchs auch das Angebot drumherum: fahrradfreundliche Unterkünfte, die mit dem Bett+Bike-Zeichen des ADFC ausgezeichnet sind, Gepäcktransporte, Pauschalreisen, Radverleihe und eine einheitliche Beschilderung.
Gemeinsame Organisation
2001 übernahm die InfoZentrale Weser-Radweg in Bremerhaven die touristische Information und Beratung. Heute wird die Route von der Infozentrale Weser-Radweg koordiniert, die zum Weserbergland Tourismus e. V. in Hameln gehört. Partner entlang der Strecke sind unter anderem die Mittelweser-Touristik, Cuxland-Tourismus und Erlebnis Bremerhaven. Die Zertifizierung koordiniert der Landkreis Hameln-Pyrmont für alle beteiligten Landkreise.
Diese Zusammenarbeit ist ein Grund für den Erfolg. Ein Radfernweg durch so viele Regionen braucht jemanden, der Beschilderung, Wegequalität, Karten und Werbung zusammenhält.
Qualitätsradroute mit vier Sternen
2017 zeichnete der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) den Weser-Radweg auf der Tourismusmesse ITB als Qualitätsradroute mit vier Sternen aus. Bewertet werden unter anderem Wegebeschaffenheit, Beschilderung, Routenführung, Verkehrsbelastung, Anbindung an Bahn und Bus sowie touristische Infrastruktur.
Seitdem wird die Route regelmäßig neu geprüft. Im Februar 2026 wurde die Auszeichnung mit vier Sternen bestätigt.
Einer der beliebtesten Radfernwege Deutschlands
In der jährlichen Radreiseanalyse des ADFC belegt der Weser-Radweg regelmäßig vordere Plätze:
| Analyse | Platz |
|---|---|
| Radreiseanalyse für 2019 | 1 |
| Radreiseanalyse 2023 | 1 |
| Radreiseanalyse 2025 | 2 |
2021 zählten die Radzählstellen an der Mittelweser mehr als 200.000 Radtouristen. Die Gründe für die Beliebtheit liegen auf der Hand: ein überwiegend flacher Weg, eine abwechslungsreiche Landschaft vom Bergland bis zur Küste, viele sehenswerte Städte und eine gute Erreichbarkeit mit der Bahn.
Die Weser selbst: ein Fluss mit Geschichte
Der Startpunkt des Radwegs erinnert an die Entstehung der Weser. Auf dem Tanzwerder in Hann. Münden steht der Weserstein von 1899. Seine Inschrift beschreibt, wie Werra und Fulda sich hier vereinen:
Wo Werra sich und Fulda küssen,
sie ihre Namen büßen müssen.
Und hier entsteht durch diesen Kuss
deutsch bis zum Meer der Weserfluss.
Entlang des Flusses erzählen Bauwerke aus mehr als 1.000 Jahren von der Geschichte der Region: die Abtei Corvey, gegründet 822 und heute UNESCO-Welterbe, das Stift Fischbeck von 955, der Dom in Minden, der Dom in Verden, die Schlösser der Weserrenaissance und die Hansestadt Bremen mit Rathaus und Roland, die ebenfalls zum Welterbe gehören. In Bremerhaven erinnert das Deutsche Auswandererhaus daran, dass Millionen Menschen von hier aus nach Übersee aufbrachen.
Geschichte erleben: Tipps für unterwegs
- Hann. Münden: Weserstein auf dem Tanzwerder und Fachwerk-Altstadt. Siehe Hann. Münden.
- Höxter: Welterbe Corvey, nur wenige Minuten vom Radweg. Siehe Höxter.
- Hameln: Hochzeitshaus, Rattenfängerhaus und das Museum Hameln. Siehe Hameln.
- Minden: Wasserstraßenkreuz und Schachtschleuse. Siehe Minden.
- Bremen: Rathaus und Roland. Siehe Bremen.
- Bremerhaven: Deutsches Auswandererhaus und Schifffahrtsmuseum. Siehe Bremerhaven.
Weiterführende Seiten
- Weser-Radweg: Route, Etappen und alle Infos
- Die 8 Weser-Radweg Etappen im Detail
- Weser-Radweg Entfernungstabelle
Quellen
- Wikipedia: Weser-Radweg (Baugeschichte, Organisation, ADFC-Zertifizierung, Radzählung) (Wikipedia Weser-Radweg)
- radio aktiv (21.02.2026): Weser-Radweg erneut als 4-Sterne-Route ausgezeichnet (radio aktiv)
- tageskarte.io: ADFC-Radreiseanalyse 2019 (ADFC-Radreiseanalyse)
- TourismusMarketing Niedersachsen: Weser-Radweg (Platz 2 der ADFC-Radreiseanalyse 2025) (Weser-Radweg)
