Weserradweg Etappe 3a: Von der Rattenfängerstadt über das Stift Fischbeck, gegründet 955, in die ehemalige Universitätsstadt Rinteln, mit Abstecher zur Burg Schaumburg.
Die Rattenfänger hinter dir, tausend Jahre Stiftsgeschichte vor dir: rund 30 Kilometer zwischen zwei Weserrenaissance-Städten
Nach Hameln wird das Weserbergland stiller. Etappe 3a ist kürzer und ruhiger als viele ihrer Vorgänger, aber sie hat etwas, das kaum ein anderer Abschnitt bietet: eine geistliche Frauengemeinschaft mit über tausendjähriger Geschichte. Das Stift Fischbeck, gegründet 955, ist einer der beeindruckendsten und zugleich am wenigsten bekannten Orte am gesamten Weserradweg. Du fährst fast daran vorbei, die Frage ist nur, ob du anhältst. Wer es tut, versteht die Weserregion danach ein Stück besser.
Wer danach noch Lust auf Abenteuer hat, macht den Abstecher zur Burg Schaumburg auf dem Nesselberg, mit einem der schönsten Aussichtspunkte über den Fluss zwischen Hameln und Minden. Ziel ist Rinteln, eine kleine, sehr gut erhaltene Weserrenaissance-Stadt. Der Abschnitt ist der erste Teil der Hauptetappe 3 von Hameln nach Minden (laut TourismusMarketing Niedersachsen 69,0 km).
Weserradweg Etappe 3a auf einen Blick
| Start | Hameln, Altstadt |
| Ziel | Rinteln, Marktplatz und Weserufer |
| Länge | ca. 30 km (ohne Abstecher) |
| Hauptetappe | 3: Hameln – Minden (offiziell 69,0 km) |
| Höhenmeter | gering ohne den Abstecher zur Schaumburg |
| Schwierigkeit | leicht, fast komplett flach |
| Fahrzeit | ca. 2–3 Stunden reine Fahrzeit |
| Belag | überwiegend Asphalt, wenig Schotter |
| Fähre | Großenwieden (für die Alternativroute) |
| Highlights | Stift Fischbeck, Hessisch Oldendorf, Burg Schaumburg, Rintelner Altstadt |
| Bahn | Hameln und Rinteln an der Strecke Hildesheim–Hameln–Löhne–Bünde |
| Beste Zeit | April bis Oktober, dann sind Stiftskirche und Burggastronomie geöffnet |
Der Startpunkt: Hameln im Rücken
Wenn du Hameln früh verlässt, hast du die stillen Morgenstunden am Weserufer für dich, noch bevor die Rattenfänger-Besucher eintreffen. Der Weserradweg verlässt die Stadt flussabwärts nach Nordwesten und führt bald durch ein ruhiges, flaches Wesertal.
Die Höhen des Wesergebirges und des Süntels begleiten dich in der Ferne. Der Blick öffnet sich hier besonders schön: breiter Fluss, Weideflächen, Weiden im Wasser, ab und zu ein Reiher. Bis Fischbeck sind es nur wenige Kilometer, ein entspannter Start in den Tag.
Streckenverlauf
Von Hameln aus fährst du flussabwärts. Die Orte in Fahrtrichtung:
- Hameln: Start in der Rattenfängerstadt
- Fischbeck: Stift Fischbeck (kurzer Abstecher)
- Hessisch Oldendorf: kleine Stadt mit Baxmann-Brunnen auf dem Markt
- Großenwieden: Fähre zur Alternativroute über Hohenrode und Exten
- Rinteln: Ziel der Etappe
Die Burg Schaumburg liegt oberhalb des Tals zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln. Der Abstecher ist anstrengend, aber die Aussicht lohnt sich.
Stift Fischbeck: über tausend Jahre Frauengemeinschaft
Kurz hinter Hameln, mit einem kleinen Umweg vom Radweg, liegt das Stift Fischbeck. Es ist einer dieser Orte, an denen man erst vorbeifährt und dann umkehren möchte.
Was ist das Stift Fischbeck?
Das Stift Fischbeck ist ein Damenstift, kein Kloster im klassischen Sinn. Die Adlige Helmburgis gründete es im Jahr 955 als Stift für adlige Frauen. Nach der Reformation wurde es zu einem evangelischen Damenstift. Bis heute lebt hier eine geistliche Frauengemeinschaft, und das seit über 1.000 Jahren. Dass das Stift die Reformation und die Säkularisierung um 1800 überstanden hat, in der in Deutschland viele Klöster aufgelöst wurden, ist bemerkenswert.
Die romanische Stiftskirche ist mittelalterlich und weitgehend unverändert erhalten. Ihre klaren Rundbögen und der wuchtige Westbau machen sie zu einer der stilistisch reinsten romanischen Kirchen der Region. Dazu gehört ein Kreuzgang. Berühmt ist der Fischbecker Wandteppich aus dem Jahr 1583, der die Gründungslegende des Stifts erzählt.
Im Stift werden Produkte verkauft, die mit der Gemeinschaft verbunden sind. Ein Blick in den Laden lohnt sich.
- Stiftskirche: von Ostern bis Ende Oktober täglich geöffnet
- Führungen für Einzelgäste: Mittwoch bis Sonntag um 14:30 Uhr
- Preis Führung: Erwachsene 8,50 €, ermäßigt 6,50 €, nur Barzahlung
- Adresse: Im Stift 6a, 31840 Hessisch Oldendorf
- Gruppen: Führungen auf Anfrage beim Stift
Einkehr: Café am Stift
Direkt neben dem Stiftseingang liegt das Hotel Café am Stift in einem historischen Fachwerkgebäude. Kaffee und selbstgemachte Kuchen sind die Stärke. Für mehr Hunger gibt es am Abend in der rustikalen Bierscheune deftige Küche. Die Öffnungszeiten sind saisonal, prüfe sie vorab.
Hessisch Oldendorf
Ein paar Kilometer weiter liegt Hessisch Oldendorf. Wer durch die Innenstadt fährt, findet eine kleine Fachwerkstadt mit Marktplatz. Auf dem Markt steht der Brunnen mit der Figur des Baxmann, einer Sagengestalt der Region. Sehenswert sind außerdem die Kirche und das Rathaus. Als Etappenziel ist der Ort zu klein, als Pausenstopp mit Bäckerei und Eiscafé aber gut geeignet.
Fähre Großenwieden: die Alternativroute
Bei Großenwieden setzt eine Fähre über die Weser. Sie verbindet die Hauptroute mit einer Alternativroute auf dem anderen Ufer über Hohenrode und Exten nach Rinteln. Wer Abwechslung möchte, wechselt hier die Seite. Die Fähre fährt saisonal, prüfe die Zeiten vor Ort.
Abstecher: Burg Schaumburg
Wenn du Energie übrig hast und einen der beeindruckendsten Ausblicke des Weserradwegs erleben willst, lohnt sich der Abstecher zur Burg Schaumburg.
Die Burg steht auf dem Nesselberg östlich von Rinteln, oberhalb des Ortes Deckbergen. Eine Burg gibt es hier seit Anfang des 12. Jahrhunderts. Sie ist die Stammburg der Grafen von Holstein-Schaumburg, nach denen das Schaumburger Land benannt ist. 1591 kam ein Renaissance-Wohnbau dazu, zwischen 1907 und 1913 wurde die Anlage restauriert.
Warum lohnt sich die Burg?
Die Schaumburg ist keine Attraktion mit Kassenhäuschen und Audioguide, sondern eine Burganlage im Wald, die weitgehend frei zugänglich ist. Für den Bergfried zahlst du einen kleinen Eintritt. Von oben hast du einen Rundumblick über das Wesertal und das Wesergebirge, auf die Rintelner Altstadt und bei guter Sicht weit nach Norden. Es ist der Blick, der zeigt, wie sehr die Weser die Lebensader dieser Landschaft ist.
- Zugang: Burggelände kostenlos
- Bergfried: kleiner Eintritt
- Einkehr: Restaurant und Café „Zur Schaumburg“ auf dem Gelände, saisonal geöffnet
- Anfahrt: über eine Bergstraße von Deckbergen hinauf
Wichtig: Die Burg liegt deutlich oberhalb des Flusses. Rechne mit einem anstrengenden Anstieg von gut hundert Höhenmetern. Mit dem E-Bike ist das kein Problem, mit voll beladenem Tourenrad wird es schweißtreibend.
Das Ziel: Rinteln
Rinteln ist kleiner und weniger bekannt als Hameln, und gerade das ist sein Vorteil: Die Stadt wirkt authentisch. Die historische Innenstadt gehört zu den kompaktesten und am besten erhaltenen Weserrenaissance-Ensembles der Region. Alles liegt innerhalb eines kurzen Spaziergangs.
Rinteln war früher Universitäts- und Festungsstadt. Von 1621 bis 1810 gab es hier eine Universität.
Was du in Rinteln sehen solltest
Marktplatz: Das Herz der Altstadt. Mit der Weserrenaissance-Kulisse aus ehemaligem Rathaus, Bürgerhäusern und der Kirche St. Nikolai wirkt der Platz wie aus einem Guss.
Ehemaliges Rathaus: Das Rathaus von 1583 im Stil der Weserrenaissance gehört zu den schönsten Bauten der Region. Im Ratskeller kannst du nach der Ankunft einkehren.
St. Nikolai: Die dreischiffige Hallenkirche direkt am Markt wurde 1238 erstmals erwähnt. Der Eintritt ist frei.
Archivhäuschen: Ein winziger Weserrenaissance-Bau mit aufwendigem Schmuck. Wer nicht danach sucht, übersieht ihn. Für Architekturfans eine kleine Entdeckung.
Museum Eulenburg (Klosterstraße 21): Das Museum zeigt die Geschichte Rintelns und des Wesertals. Geöffnet ist es Dienstag bis Samstag 14–17 Uhr und Sonntag 11–17 Uhr, der Eintritt kostet 3 €.
Draisinen-Touren: Wer das Rad einmal ruhen lassen will, fährt Draisine. Die 18 Kilometer lange Strecke auf einer stillgelegten Bahnlinie führt von Rinteln-Süd hinauf nach Alverdissen ins Extertal. Besonders bei Familien ist das beliebt. Gebucht wird beim Betreiber.
Am Weserufer und am Doktorsee
Direkt an der Weser liegt die Promenade, im Sommer mit Biergärten. Ein schöner Ort, um die Ankunft zu feiern.
Am Stadtrand liegt der Doktorsee zum Baden und Segeln, mit Sandstrand und Campingplatz. Am vierten Juliwochenende findet dort das Fest „Doktorsee in Flammen“ statt. Wer abends noch schwimmen will, übernachtet in Seenähe.
Mehr zur Stadt im Stadtguide Rinteln.
Übernachten in Rinteln
- Hotel Stadt Rinteln: zentral, mit Gastronomie, mittleres Preisniveau
- Ferienwohnungen in der Altstadt: ideal für zwei bis vier Personen
- Camping am Doktorsee: am See mit Strand, für Radreisende mit Zelt die günstigste Option
Mehr Unterkünfte im Stadtguide Rinteln und im Ratgeber Camping am Weserradweg.
Praktische Infos
Fahrradservice und E-Bike
- Hameln: mehrere Fahrradgeschäfte mit Werkstatt und E-Bike-Service, gut erreichbar am Stadtausgang
- Rinteln: Fahrradhändler mit Werkstatt in der Innenstadt
- Unterwegs: keine öffentlichen Ladepunkte in Fischbeck; Gasthäuser helfen auf Nachfrage oft mit einer Steckdose
Bahn und Rückfahrt
Hameln und Rinteln liegen an der Bahnstrecke Hildesheim–Hameln–Löhne–Bünde. Der Rintelner Bahnhof liegt nördlich der Weser. So kannst du die Etappe gut als Tagestour fahren. Von Hameln fährt außerdem die S-Bahn nach Hannover.
Zeitplanung
Die 30 Kilometer allein sind ein halber Tag. Mit Führung im Stift Fischbeck und dem Abstecher zur Schaumburg wird daraus ein voller Tag. Die Führung in Fischbeck beginnt um 14:30 Uhr. Wer sie mitnehmen will, legt die Schaumburg auf den Vormittag oder fährt sie am nächsten Morgen von Rinteln aus an.
Schwierigkeit und Kondition
Bewertung: leicht
Etappe 3a gehört zu den flachsten Abschnitten im Mittelteil des Weserradwegs. Wer den Abstecher zur Burg Schaumburg weglässt, hat kaum nennenswerte Steigungen. Die 30 Kilometer sind gut als Halbtagsetappe zu fahren. Ein E-Bike brauchst du hier nicht, die eingesparte Energie kannst du für die Schaumburg nutzen.
Häufige Fragen zur Weserradweg Etappe 3a
Wie weit ist es von Hameln nach Rinteln? Auf dem Weserradweg rund 30 Kilometer. Der Abstecher zur Burg Schaumburg kommt mit einigen Kilometern und einem kräftigen Anstieg dazu.
Kann man das Stift Fischbeck besichtigen? Ja. Die Stiftskirche ist von Ostern bis Ende Oktober täglich geöffnet. Führungen gibt es von Mittwoch bis Sonntag um 14:30 Uhr, sie kosten 8,50 Euro.
Lohnt sich der Abstecher zur Schaumburg? Ja, wegen der Aussicht über das Wesertal. Plane aber einen anstrengenden Anstieg ein. Das Gelände ist kostenlos, für den Bergfried zahlst du einen kleinen Eintritt.
Gibt es eine Fähre auf der Etappe? Ja, bei Großenwieden. Sie verbindet die Hauptroute mit der Alternativroute über Hohenrode und Exten.
Kann ich mit dem Zug von Rinteln nach Hameln zurück? Ja. Beide Städte liegen an der Strecke Hildesheim–Hameln–Löhne–Bünde.
Gibt es einen Badesee bei Rinteln? Ja, den Doktorsee am Stadtrand mit Sandstrand und Campingplatz.
Weiterfahrt
⬅️ Etappe 2c: Bodenwerder – Hameln (25 km)
➡️ Etappe 3b: Rinteln – Minden (39 km): Vlotho, Bad Oeynhausen, die Porta Westfalica und das Wasserstraßenkreuz Minden
Alle Angaben sorgfältig recherchiert, sie können sich aber ändern. Öffnungszeiten und Preise bitte vor der Fahrt beim jeweiligen Anbieter prüfen.
Quellen
- TourismusMarketing Niedersachsen: Weser-Radweg, 3. Etappe Hameln – Minden (69 km) (Etappe 3)
- Deutsche Märchenstraße: Stift Fischbeck (Stift Fischbeck)
- burgenwelt.org: Burg Schaumburg (Burg Schaumburg)
- Wikivoyage: Rinteln (Rinteln)
