Weserradweg Etappe 4: Flach, weit und voller Störche: von Minden über Petershagen, die Glashütte Gernheim und Stolzenau in die Spargelstadt Nienburg.
Rund 58 Kilometer flaches Norddeutschland: Störche, Glashütte, Spargel und endlose Weserauen
Willkommen im Norddeutschen Tiefland. Nach den Hügeln, Burgen und Schlössern des Weserberglands beginnt hinter Minden eine andere Welt: weit, flach, grün. Etappe 4 gehört mit rund 58 Kilometern zu den längsten Abschnitten des Weserradwegs, ist dabei aber fast ohne Höhenmeter. Die Weser wird breiter, und das Tempo des Lebens am Fluss wird langsamer.
Dafür entschädigt die Etappe mit Natur und überraschenden Orten. In Petershagen und Umgebung nisten Weißstörche, und das Westfälische Storchenmuseum erklärt, wie nah diese Vögel in der Region dem Verschwinden waren. In Gernheim blasen Glasmacher wie vor hundert Jahren Gläser von Hand. Und in Nienburg endet die Etappe in der Spargelstadt an der Weser, wo du im Frühjahr frischen Spargel direkt vom Hof kaufen kannst. Die Etappe entspricht der offiziellen Hauptetappe 4 der TourismusMarketing Niedersachsen.
Weserradweg Etappe 4 auf einen Blick
| Start | Minden, Altstadt |
| Ziel | Nienburg/Weser, Altstadt |
| Länge | ca. 58 km |
| Hauptetappe | 4: Minden – Nienburg (offiziell 58,0 km) |
| Höhenmeter | kaum |
| Schwierigkeit | mittel, wegen der Länge und des Windes, nicht wegen Steigungen |
| Fahrzeit | ca. 3,5–5 Stunden reine Fahrzeit |
| Belag | ca. 75 % Asphalt, 16 % Schotter, Rest Wege und Straße |
| Charakter | flach, offen, windanfällig |
| Fähre | Solarfähre „PetraSolara“ bei Windheim (Alternativroute) |
| Bahn | Minden, Leese-Stolzenau, Nienburg |
| Beste Zeit | Mai bis September für Störche und Spargel, Wege dann trockener |
| Tipp | Teilen und in Petershagen oder Stolzenau übernachten |
Der Startpunkt: Minden verlassen
Minden verlässt du flussabwärts, der Radweg ist gut ausgeschildert. Hinter der Stadt hören die Weserberge vollständig auf. Vor dir liegt die weite norddeutsche Ebene. Die Weser wird breiter, die Ufer flacher, der Himmel größer.
Das ist eine andere Art von Schönheit als im Weserbergland: keine Felsen und engen Täler, sondern die stille Weite des Tieflands. Es braucht ein paar Kilometer, bis man sich darauf einlässt. Danach fährt man hier sehr entspannt.
Streckenverlauf
Von Minden aus führt der Radweg laut TourismusMarketing Niedersachsen über diese Orte:
- Minden
- Petershagen: Schloss und Storchenstadt
- Gernheim: LWL-Industriemuseum Glashütte
- Großenheerse, Buchholz
- Schlüsselburg: Herrenhaus und Scheunenviertel
- Stolzenau: Kirche mit gedrehter Turmspitze
- Landesbergen: Weserbrücke, Schleusenkanal und Wehr
- Estorf, Leeseringen
- Nienburg: Ziel der Etappe
Es gibt zwei Alternativen: ab Lahde auf dem rechten Ufer über Windheim bis Großenheerse und ab Landesbergen auf dem linken Ufer über Liebenau nach Nienburg. Der Radweg wechselt an mehreren Stellen über Brücken das Ufer.
Petershagen: die Storchenstadt an der Weser
Petershagen ist die erste größere Stadt auf dieser Etappe und hat einen Ruf, der weit über die Region hinausreicht: Sie gilt als Storchenstadt an der Weser.
Weißstörche in Petershagen
Weißstörche waren in Nordrhein-Westfalen gegen Ende des 20. Jahrhunderts fast verschwunden. Im Mindener Land haben sich nur noch wenige Brutpaare gehalten. Dann begann ein engagiertes Schutzprojekt, das die Population mühsam wieder aufbaute. Heute nisten Störche wieder in und um Petershagen, auf Dächern, Kaminen und eigens aufgestellten Nistmasten. Von etwa April bis August kannst du die Tiere oft vom Radweg aus beobachten.
Tipp: Zur Brutzeit von Mai bis Juli hast du die besten Chancen auf Störche im Nest und flügge Jungvögel. Ein kleines Fernglas lohnt sich.
Schloss Petershagen
In Petershagen steht das Schloss Petershagen, früher eine Wasserburg und Residenz der Mindener Bischöfe. Im 16. Jahrhundert wurde es im Stil der Weserrenaissance umgebaut. Die Fassade mit dem charakteristischen Giebel und die Lage am Wasser sind auch von außen beeindruckend. Ob und wie das Schloss innen zugänglich ist, hängt von der aktuellen Nutzung ab, prüfe das vorab.
Sehenswert sind außerdem die Stadtkirche (1615–1620), die alte Synagoge und das Amtsgericht von 1913.
Einkehr: In Petershagen findest du Cafés, Gasthäuser, Bäcker, Supermarkt und Apotheke, also alles, was Radreisende brauchen.
Westfälisches Storchenmuseum in Windheim
Im Ortsteil Windheim auf dem rechten Ufer erzählt das Westfälische Storchenmuseum, wie das letzte Brutgebiet des Weißstorchs in Nordrhein-Westfalen gerettet wurde. Es befindet sich in einem über 300 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude. Zu sehen ist unter anderem ein originales Storchennest. Die Ausstellung ist auch für Kinder sehr anschaulich. Nebenan gibt es ein Café mit Biergarten.
- Adresse: Im Grund 4, 32469 Petershagen
- Eintritt: Erwachsene 3 €, Kinder 1 €
- Öffnungszeiten: saisonal, vorher prüfen
Windheim liegt an der Alternativroute auf dem rechten Ufer. Dort setzt auch die Solarfähre „PetraSolara“ über die Weser.
LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
In Gernheim steht eine Glashütte aus dem 19. Jahrhundert. Wahrzeichen ist der kegelförmige Glashüttenturm von 1826, der weit über die Auen zu sehen ist. Glasmacher stellen hier Gläser und Flaschen von Hand mit der Glasmacherpfeife her, so wie vor rund 100 Jahren. Du kannst ihnen dabei zusehen. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Glasherstellung von 1800 bis heute und das Leben der Glasmacherfamilien, die hier in einer eigenen kleinen Siedlung wohnten.
- Adresse: Gernheim 12, 32469 Petershagen
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr
Mittelweser: Auen, Dörfer und weite Sicht
Hinter Petershagen und Gernheim folgen viele Kilometer klassische Mittelweser-Strecke: Der Radweg führt durch flache Auen, an Hochwasserwiesen vorbei und durch kleine Dörfer wie Großenheerse und Buchholz.
Naturerlebnis: Diese langen, ruhigen Abschnitte gehören zu den besten Orten am Weserradweg für Vogelbeobachtung: Reiher, Kormorane, Enten, mit etwas Glück ein Eisvogel. Wer langsam fährt und kurz anhält, hört und sieht hier viel.
Schlüsselburg
In Schlüsselburg steht ein Herrenhaus, das Ludolf von Klencke 1581 bis 1585 erbauen ließ. Es ist in Privatbesitz. Am Ortsrand liegt ein historisches Scheunenviertel aus dem 17. Jahrhundert, ein schönes Fotomotiv.
Stolzenau
Das Wahrzeichen von Stolzenau ist die gedrehte Turmspitze der St.-Jacobi-Kirche. Die kleine Stadt liegt direkt am Weserufer und eignet sich gut für die Mittagspause zur Streckenmitte. Bäckereien und Gastronomie findest du im Ort.
Landesbergen
In Landesbergen überquert die Hauptroute die Weserbrücke und folgt dann dem Schleusenkanal am Wehr entlang. Hier siehst du, wie der Wasserstand der Weser reguliert wird, spannend für alle, die Binnenschifffahrt und Wasserbau mögen. Am Ufer liegt außerdem ein Aalschokker, ein historisches Fischereischiff.
Das Ziel: Nienburg/Weser, die Spargelstadt
Schon von Weitem siehst du den 72 Meter hohen Turm der Kirche St. Martin. Nienburg/Weser liegt mitten in einem der bekanntesten Spargelanbaugebiete Niedersachsens und nennt sich selbst Spargelstadt. Von Ende April bis zum Johannistag am 24. Juni ist Spargelzeit: Hofläden am Straßenrand, Speisekarten mit Spargel in vielen Variationen, der Wochenmarkt voll mit frischem Gemüse.
Die Altstadt und die Bärenspur
Nienburgs Altstadt mit der Kirche St. Martin und dem Rathaus mit Weserrenaissance-Elementen ist gut erhalten und restauriert. In der Altstadt führt die Nienburger Bärenspur zu den Sehenswürdigkeiten: Weiße Bärentatzen sind auf das Pflaster gemalt, der Rundweg ist 3,3 Kilometer lang. Die Tatze stammt aus dem Stadtwappen. Für Kinder ist das ein spielerischer Einstieg, für Erwachsene eine charmante Orientierung. Start ist die Touristinformation in der Langen Straße 18.
Wochenmarkt
Der Wochenmarkt findet mittwochs und samstags in der Innenstadt statt und ist für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlich lebendig: Direktvermarkter aus der Region, im Frühjahr Spargel und Erdbeeren, dazu regionale Spezialitäten.
Museum Nienburg und Spargelmuseum
Das Museum Nienburg (Leinstraße 48) zeigt Stadt- und Regionalgeschichte der Mittelweser im Quaet-Faslem-Haus. Im Museumsgarten befindet sich im historischen Rauchhaus das Spargelmuseum. Es erklärt Geschichte, Anbau und Küche des „weißen Goldes“. Besonders im Frühjahr ist das spannend, wenn du draußen Spargel kaufen und drinnen seine Geschichte kennenlernen kannst. Öffnungszeiten und Eintritt prüfst du am besten vorab.
Mehr im Stadtguide Nienburg.
Einkehr in Nienburg
- Ratskeller Nienburg (Lange Straße): traditionell, regionale Küche, Weserfisch, mittleres Preisniveau
- Cafés am Markt: Kuchen, Kaffee und Mittagsgerichte nach dem langen Fahrtag
- Spargel-Direktvermarkter (Ende April bis Juni): am Straßenrand oder auf dem Wochenmarkt
Übernachten in Nienburg
- Landhotel Weserblick: an der Weser, mit Fahrradkeller, mittleres Preisniveau
- Hotel Weserschlösschen: zentral, fahrradfreundlich, mittleres Preisniveau
- Camping: am Weserufer, mit Duschen, günstig
Tipp: In der Spargelzeit sind die Hotels in Nienburg gut gebucht. Reserviere früh. Mehr im Stadtguide Nienburg.
Praktische Infos
Etappe aufteilen
Rund 58 Kilometer sind für gemächliche Radreisende und Familien viel. Die Aufteilung lohnt sich:
- Minden – Petershagen: gut 20 Kilometer, Halbtag mit Storchenbeobachtung
- Petershagen – Nienburg: knapp 40 Kilometer, mit Glashütte Gernheim und Mittagspause in Stolzenau
Petershagen und Stolzenau haben Unterkünfte für Radreisende.
Wind und Wasser
Die Strecke ist offen. Bei Gegenwind dauert sie deutlich länger. Nimm im Sommer genug Wasser und das ganze Jahr Regenkleidung mit.
Rad und Belag
Ein Tourenrad ist ideal. Etwa ein Sechstel der Strecke ist geschottert. Einzelne Abschnitte in den Auen können bei Regen aufweichen.
Fahrradservice und E-Bike
- Minden: Fahrradfachhandel in der Innenstadt; abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof
- Petershagen: kleiner Fahrradhandel für grundlegende Reparaturen
- Nienburg: Fahrradgeschäfte mit Werkstatt in der Innenstadt
- E-Bike: Lade über Nacht. Wer die ganze Etappe an einem Tag fährt, kommt mit einem normalen Akku in der Regel durch, Gegenwind erhöht aber den Verbrauch.
Bahn und Rückfahrt
Haltestellen gibt es in Minden, Leese-Stolzenau und Nienburg. In Nienburg hält der Intercity, die S2 fährt nach Hannover, Regionalexpresse fahren nach Minden und Verden. Fahrradplätze sind begrenzt, meide die Stoßzeiten.
Fähren
Auf der Hauptroute brauchst du keine Fähre. An der Alternativroute bei Windheim fährt die Solarfähre „PetraSolara“. Brücken in Petershagen, Stolzenau und Landesbergen ermöglichen den Uferwechsel.
Schwierigkeit und Kondition
Bewertung: mittel
Nicht wegen Steigungen, sondern wegen der Länge: Rund 58 Kilometer verlangen Ausdauer und Sitzfleisch. Der Untergrund ist überwiegend asphaltiert.
Empfehlung: Früh starten, Pause in Petershagen mit Storchenbeobachtung, Glashütte Gernheim am Vormittag, Mittagessen in Stolzenau, Ankunft in Nienburg am Nachmittag. Am Abend: Altstadt, Markt und Bärenspur.
Häufige Fragen zur Weserradweg Etappe 4
Wie lang ist die Strecke von Minden nach Nienburg? Laut TourismusMarketing Niedersachsen 58 Kilometer. Sie ist flach, aber wegen der Länge und des Windes nicht zu unterschätzen.
Wo sehe ich Störche? Vor allem in Petershagen und Windheim. Das Storchenmuseum in Windheim erklärt den Schutz der Weißstörche.
Was kostet das Storchenmuseum? Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder 1 Euro. Die Öffnungszeiten sind saisonal.
Wann hat die Glashütte Gernheim geöffnet? Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr.
Wann ist Spargelzeit in Nienburg? Von Ende April bis zum 24. Juni.
Kann ich die Etappe teilen? Ja. Petershagen und Stolzenau eignen sich als Zwischenstopp und haben Unterkünfte.
Weiterfahrt
⬅️ Etappe 3b: Rinteln – Minden (39 km)
➡️ Etappe 5a: Nienburg – Hoya (31 km): Drakenburg, Fähre Schweringen, Stiftskirche Bücken und das Grafenstädtchen Hoya
Alle Angaben sorgfältig recherchiert, sie können sich aber ändern. Öffnungszeiten und Preise bitte vor der Fahrt beim jeweiligen Anbieter prüfen.
Quellen
- TourismusMarketing Niedersachsen: Weser-Radweg, 4. Etappe Minden – Nienburg (58 km) (Etappe 4)
- Teutoburger Wald Tourismus: Westfälisches Storchenmuseum (Storchenmuseum)
- NRW Tourismus: LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim (Glashütte Gernheim)
- Wikivoyage: Nienburg (Weser) (Nienburg)
- Deutsche Märchenstraße: Nienburger Bärenspur (Bärenspur)
