Weserradweg Etappe 5a: Stille Mittelweser: von Nienburg über Drakenburg und die Fähre in Schweringen zur Stiftskirche Bücken und in die Grafenstadt Hoya.
Kunstschätze im Verborgenen: rund 31 Kilometer durch die stille Mittelweser mit einem der unterschätztesten Kirchenbauten Norddeutschlands
Etappe 5a ist die Entdeckungsetappe im Norden des Weserradwegs. Sie ist kurz, flach und führt durch Landschaften, die selten in Reiseprospekten auftauchen. Gerade das macht sie für aufmerksame Radreisende wertvoll. Auf dem Weg wechselst du per Brücke und Fähre die Ufer, fährst an Spargelfeldern und Auen vorbei und erreichst in Bücken den sogenannten „Bücker Dom“: eine romanische Stiftskirche mit Kunstschätzen, die du ohne Eintritt und ohne Gedränge erleben kannst. Am Ende wartet Hoya, eine rund 800 Jahre alte Grafenstadt, durch die viele Radtouristen einfach hindurchfahren, ohne zu ahnen, was sie verpassen.
Der Abschnitt ist der erste Teil der Hauptetappe 5 von Nienburg nach Verden (laut TourismusMarketing Niedersachsen 58,7 km).
Weserradweg Etappe 5a auf einen Blick
| Start | Nienburg/Weser, Hafen und Weserbrücke |
| Ziel | Hoya, Innenstadt und Weserufer |
| Länge | ca. 31 km |
| Hauptetappe | 5: Nienburg – Verden (offiziell 58,7 km) |
| Höhenmeter | kaum, komplett flach |
| Schwierigkeit | leicht |
| Fahrzeit | ca. 2–2,5 Stunden reine Fahrzeit |
| Belag | ca. 55 % Asphalt, 25 % Schotter, Rest Straße und Wege |
| Fähre | Schweringen–Gandesbergen |
| Highlights | Marklohe, Drakenburg, Fähre Schweringen, Stiftskirche Bücken, Hoya |
| Bahn | Nienburg, Eystrup; Hoya hat keinen Personenbahnhof |
| Beste Zeit | April bis Oktober, im Frühjahr mit Spargel |
Streckenverlauf
- Nienburg: Start an Hafen und Weserbrücke
- Marklohe: Dorf mit alter Kirche
- Drakenburg: Die Hauptroute überquert hier die Weserbrücke.
- Eystrup: Der Weg führt nah an der Weser entlang.
- Schweringen–Gandesbergen: Mit der Fähre wechselst du auf das linke Ufer.
- Bücken: Stiftskirche
- Hoya: Ziel der Etappe
Eine Alternativroute bleibt ab Nienburg auf dem rechten Ufer und führt über Eystrup.
Nienburg verlassen: Spargelfelder und erste Auen
Kurz hinter Nienburg beginnt die typische Mittelweser-Landschaft: flache Wiesen, Pappeln am Ufer, ab und zu ein Boot. Im Frühjahr siehst du rechts und links des Weges die weißen Folien der Spargelfelder. Schilder weisen auf Hofläden hin, die frischen Spargel verkaufen. Wer eine Unterkunft mit Küche hat, kauft hier ein.
Marklohe
In Marklohe steht eine alte Kirche, die von außen bescheiden wirkt. Im Inneren sind mittelalterliche Malereien erhalten, die erst im 20. Jahrhundert unter Kalkschichten wiederentdeckt und restauriert wurden. Wer sich für Kirchenkunst interessiert, legt hier einen kurzen Stopp ein. Die Kirche ist häufig tagsüber offen, sonst hilft das Pfarramt.
Drakenburg
Das Dorf Drakenburg überrascht mit einer repräsentativen Kirche mit einem schmuckvollen Torbogen aus der Zeit der Renaissance. Für Familien ist das Wassarium interessant, ein Erlebnisort rund um das Thema Wasser. Öffnungszeiten und Programm erfährst du bei der Tourist-Information Nienburg.
In Drakenburg überquert die Hauptroute die Weserbrücke.
Fähre Schweringen–Gandesbergen
Hinter Eystrup erreichst du Schweringen. Zwischen Schweringen und Gandesbergen setzt eine Fähre über die Weser. Hier wechselt die Hauptroute auf das linke Ufer. Die Überfahrt ist kurz, aber ein schöner Moment in der stillen Flusslandschaft. Den Fahrplan findest du auf der Website der Fähre (faehre.schweringen-news.de).
Bücken: der „Bücker Dom“
Bücken ist ein kleines Dorf und zugleich der kunsthistorische Höhepunkt dieser Etappe. Außerhalb der Region kennt ihn kaum jemand.
Stiftskirche St. Materniani und St. Nicolai
Die Stiftskirche wird auch „Dom der Grafschaft Hoya“ genannt. Gegründet wurde das Stift unter Erzbischof Rimbert von Bremen (865–888). Die steinerne Kirche entstand ab 1050 und wurde bis etwa 1350 erweitert. Sie ist rund 50 Meter lang, ihre beiden Türme sind über 52 Meter hoch und weithin über die flache Landschaft zu sehen.
Im Inneren erwartet dich eine Dichte an Kunstwerken, die man in einer Dorfkirche nicht erwartet:
- Triumphkreuz von 1230, eines der ältesten erhaltenen in Norddeutschland
- Glasfenster aus dem 13. Jahrhundert mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Maternian und Nikolaus
- Steinkanzel aus dem 13. Jahrhundert
- Chorgestühl von 1340 mit gotischem Schnitzwerk
- spätgotischer Altar um 1510 und ein Sakramentshaus aus der Zeit um 1500
All das ohne Eintritt und ohne Warteschlangen. Der Weserradweg führt direkt durch den Ort.
- Adresse: Am Markt 2a, 27333 Bücken
- Besuch: tagsüber meist geöffnet; Besuchszeiten und Führungen erfährst du bei der Kirchengemeinde (Telefon 04251 92167)
Das Ziel: Hoya, 800 Jahre Grafschaft
Hoya wirkt auf den ersten Blick wie ein weiteres kleines Städtchen an der Weser. Doch die Stadt hat eine Geschichte, die weit über ihre Größe hinausgeht. Die Grafen von Hoya herrschten im Mittelalter über ein großes Gebiet zwischen Weser und Aller. Nach dem Aussterben des Grafenhauses Ende des 16. Jahrhunderts fiel die Grafschaft an die Welfen.
Grafenschloss
Das Grafenschloss entstand als Wasserburg der Grafen von Hoya. Ost- und Westflügel stehen auf einem mittelalterlichen Kern, der freistehende Mittelbau stammt aus dem 19. Jahrhundert. Das Schloss wird heute öffentlich genutzt und ist von außen frei zu besichtigen.
Martinskirche
Die rund 900 Jahre alte Grafenkirche ist heute das Kulturzentrum Martinskirche, in dem Konzerte und Trauungen stattfinden. Einen Blick hinein bekommst du bei Veranstaltungen oder auf Anfrage.
Altstadt und Sagen
In der Altstadt stehen das historische Rathaus und der Von-Behr’sche Gutshof. An der Langen Straße erinnern Zwergenfiguren an die Sage „Der Graf von Hoya“, die die Brüder Grimm in ihre Deutschen Sagen aufnahmen. Am dritten Septemberwochenende lässt der historische Katharinenmarkt die Zeit der Grafen wieder aufleben.
In Hoyerhagen, ein paar Kilometer entfernt, markiert ein Stein den geografischen Mittelpunkt Niedersachsens.
An der Weser
Die Weserpromenade macht Hoya zu einem guten Etappenziel: Bänke mit Blick auf den Fluss und Ruhe nach einem entspannten Fahrtag.
Einkehr
- In Hoya: Restaurants am Markt mit regionaler Küche und ein Café mit Weserblick
- In Bücken: kleine Einkehrmöglichkeit am Radweg, saisonal
- Unterwegs: wenige Möglichkeiten, nimm vor allem im Sommer Getränke mit
Übernachten in Hoya und Bücken
- Pension Rosengarten in Bücken: auf Weserradweg-Reisende ausgerichtet, direkt am Radweg, günstig bis mittel
- Gästehäuser in Hoya und Umgebung: Auskunft gibt die Tourist-Information der Grafschaft Hoya
Unterkünfte in dieser ländlichen Region sind nicht zahlreich. Buche sie vorab, vor allem am Wochenende. Mehr Tipps im Ratgeber Unterkünfte am Weserradweg.
Praktische Infos
Rad und Belag
Ein Tourenrad ist ideal. Ein Viertel der Strecke ist geschottert, für Rennräder ist der Abschnitt weniger geeignet.
Bahn und Rückfahrt
Bahnhöfe gibt es in Nienburg und Eystrup. Hoya hat keinen Personenbahnhof. Für die Rückreise fährst du am besten zurück nach Eystrup oder weiter bis Verden. Zwischen Hoya und Nienburg gibt es Busverbindungen, die Fahrradmitnahme ist aber nicht garantiert.
Fähre
Prüfe vor der Fahrt den Fahrplan der Fähre Schweringen–Gandesbergen. Fährt sie nicht, bleibst du auf der Alternativroute am rechten Ufer.
Fahrradservice und E-Bike
- Nienburg: Fahrradgeschäfte mit vollständigem Service
- Hoya: kleinere Werkstattmöglichkeiten
- E-Bike: In Hoya sind Lademöglichkeiten begrenzt. Lade über Nacht in der Unterkunft.
Schwierigkeit und Kondition
Bewertung: leicht
Rund 31 Kilometer ohne Höhenmeter: eine der einfachsten Etappen. Für Familien und Einsteiger ideal. Wer die Kirchen in Marklohe und Bücken besucht, plant mindestens eine Stunde extra ein.
Häufige Fragen zur Weserradweg Etappe 5a
Wie weit ist es von Nienburg nach Hoya? Auf dem Weserradweg rund 31 Kilometer, nahezu ohne Höhenmeter.
Was ist der „Bücker Dom“? So wird die Stiftskirche St. Materniani und St. Nicolai in Bücken genannt. Sie hat zwei Türme und wertvolle Kunstschätze aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, darunter ein Triumphkreuz von 1230.
Kostet die Stiftskirche Bücken Eintritt? Nein. Die Kirche ist tagsüber meist geöffnet. Führungen vermittelt die Kirchengemeinde.
Gibt es eine Fähre auf der Strecke? Ja, zwischen Schweringen und Gandesbergen. Dort wechselt die Hauptroute das Ufer.
Hat Hoya einen Bahnhof? Keinen Personenbahnhof. Der nächste Bahnhof auf der Route ist Eystrup, sonst Verden am Ende der Hauptetappe.
Gibt es in Hoya etwas zu sehen? Ja: das Grafenschloss, die Martinskirche, das Rathaus, die Zwergenfiguren an der Langen Straße und die Weserpromenade.
Weiterfahrt
⬅️ Etappe 4: Minden – Nienburg (58 km)
➡️ Etappe 5b: Hoya – Verden (28 km): Wolfcenter Dörverden und die Domstadt Verden an der Aller
Alle Angaben sorgfältig recherchiert, sie können sich aber ändern. Öffnungszeiten und Fährbetrieb bitte vor der Fahrt prüfen.
Quellen
- TourismusMarketing Niedersachsen: Weser-Radweg, 5. Etappe Nienburg – Verden (58,7 km) (Etappe 5)
- Mittelweser-Touristik: Stiftskirche St. Materniani et St. Nicolai Bücken (Stiftskirche Bücken)
- Deutsche Märchenstraße: Hoya/Weser (Hoya)
